Der violette Talentschmied

19. November 2021 in 2. Liga Unter Harald Suchard schaffen immer mehr Nachwuchshoffnungen den Sprung von den Young Violets in die Kampfmannschaft der Wiener Austria. Wie der Trainer trotz der Fluktuation in seinem Kader die Ruhe bewahrt, verrät er im Gespräch mit 2liga.at.

Der Wind ist rau in in Wien-Favoriten. Erst im zweiten Anlauf erhielt die Austria im Frühjahr die Lizenz, der Verein muss sparen. Das hat auch das neue Führungsduo schon verinnerlicht. Sportdirektor Manuel Ortlechner und Vorstand Gerhard Krisch übernahmen im Sommer ihre Jobs, sie haben den neuen Weg von Anfang an klar kommuniziert: Das Geld für teure Transfers fehlt, der Fokus liegt auf sinnvollen Leih-Deals und auf der eigenen Jugend. Die neuen Hoffnungsträger heißen Matthias Braunöder, Muharem Huskovic, Leonardo Ivkic oder Can Keles. Sie genießen Rückhalt innerhalb des Vereins und auch seitens der Anhängerschaft, das Vertrauen zahlen sie mit starken Leistungen zurück.

Zwei zentrale Ziele

Einen großen Anteil daran hat auch jener Mann, der die jungen Austrianer in der ADMIRAL 2. Liga an den Erwachsenenfußball herangeführt hat: Young Violets-Trainer Harald Suchard. Dass seine ehemaligen Schützlinge der Kampfmannschaft ihren Stempel aufdrücken, erfüllt den 44-jährigen Burgenländer, der einst selbst für die Austria Amateure auf dem Feld gestanden ist, mit Stolz. „Das ist eine große Genugtuung. Für mein Trainerteam und mich hat es derzeit oberste Priorität, die jungen Spieler bestmöglich ausgebildet so schnell wie möglich an die Profimannschaft heranzuführen. In den letzten Jahren ist uns das in vielen Bereichen gelungen“. 

Die zweite zentrale Vorgabe, die es zu erfüllen gilt, ist der Klassenerhalt. Zielsetzungen, die nicht ganz leicht miteinander zu vereinbaren sind. Suchard ist abhängig von den Entscheidungen, die eine Etage höher getroffen werden und verliert seine Leistungsträger regelmäßig an die Kampfmannschaft. Konstante Leistungen sind so nur schwer möglich. Im Herbst setzte es für die Jungveilchen zuletzt sechs Niederlagen in Serie, nur zwei Punkte trennen sie vom Tabellenende. Suchard ist sich bewusst, dass der Maßstab für Erfolg in seinem Job ein anderer ist: „Natürlich gewinne ich auch lieber, als ich verliere. Als Trainer einer zweiten Mannschaft kann man sich aber nicht daran messen, wo man in der Tabelle steht. Diesen Zwiespalt zwischen Ergebnissen und Entwicklung bringt der Job mit sich.“

Geduld im Herbst

Die aktuelle Niederlagenserie bringt den Trainer auch deshalb nicht aus dem Konzept, weil die Hinrunde für die Young Violets traditionell mit Schwierigkeiten verbunden ist: „Der Herbst dient bei unseren Spielern erfahrungsgemäß dazu, sich einmal abzutasten und zu schauen wo man steht. Entwicklung braucht Zeit, das ist ein ganz normaler Prozess und für uns nicht weiter überraschend“. Der Verein hat im Zuge dieses Prozesses Geduld mit dem Trainerteam. Ähnlich geduldig ist Suchard mit seiner Mannschaft, zumal einige Stammkräfte vor ein paar Monaten noch in der U18 um ihren Platz kämpfen mussten und nun in der zweithöchsten Spielklasse gesetzt sind. Er gibt seinen Spielern die nötige Zeit, um sich an das Niveau der Liga zu gewöhnen und ist sich sicher: „Auch heuer werden einige den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung machen. Ob das dann reichen wird, um als Mannschaft erfolgreicher aufzutreten, wird man im Frühjahr sehen.“

Dass sich seine Mannschaft in der zweiten Saisonhälfte eindrucksvoll steigern kann, hat Suchard 2019/20 schon einmal bewiesen. Damals verloren die Jungveilchen in der Rückrunde nur ein einziges Match. Die Mannschaft lag in der Winterpause auf dem dreizehnten Tabellenplatz, zu Saisonende war sie Vierter. Suchard betont, dass für diesen Erfolgslauf vor allem der Umstand verantwortlich war, dass es die ansonsten üblichen Kaderverschiebungen zwischen erster und zweiter Mannschaft aufgrund der Pandemie nicht gegeben hat. Außerdem hätten seine Spieler dank der sportwissenschaftlichen Abteilung der Austria während des ersten Lockdowns große Fortschritte im athletischen Bereich gemacht. Entwicklungsschritte, die damaligen Leistungsträgern wie Braunöder, Huskovic und Keles möglicherweise heuer noch dabei geholfen haben, bei den Profis Fuß zu fassen. Was die jungen Austrianer sonst noch auszeichnet: „Sie unternehmen alles, um ihre Ziele zu verfolgen. Matthias Braunöder etwa hat seine Matura mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen, obwohl er in der Schule trainingsbedingt oft gefehlt hat.“ Den Blick in die Glaskugel möchte Suchard bei den Jungprofis nicht wagen, er hält aber fest: „Für viele ist der Weg auch bei der Austria noch nicht zu Ende.“

Bleibt die Frage, wohin die Reise für Suchard im Fußballgeschäft noch gehen wird. Bislang war er immer im Nachwuchsbereich tätig, im Sommer gab es schon einmal Gespräche über eine Anstellung als Cheftrainer der Austria: „Natürlich würde mich die Arbeit bei den Profis auch reizen. Trotzdem lebe ich gerne in der Gegenwart. Ich habe hier einen klaren Job und wenn ich den gut erledige, wird die Arbeit von mir und meinem Trainerteam vielleicht einmal interessant für jemanden sein.“

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