Der Spätzünder mit den Weltmeister-Genen

5. September 2019 in 2. Liga Mit eisernem Willen musste sich Fußball-Spätstarter Lukas Fridrikas durchkämpfen. In Dornbirn fand der Sohn von Handball-Legende Ausra sein Glück.

Das Ballgefühl ist Lukas Fridrikas in die Wiege gelegt. Sein Vater Robertas stürmte für die Austria und das litauische Nationalteam. Seine Mutter Ausra war die beste Handballerin der Welt. Wenn die siebenfache Champions League-Siegerin und Weltmeisterin beim Treffen mit dem 2. Liga-Journal auf der Birkenwiese ihre lange Erfolgsliste aufzählt, ist Lukas stolz: „Es ist schon surreal. Im Fußball waren nicht einmal Messi und Ronaldo so erfolgreich.“ Aber auch Ausra hat vor den Leistungen ihres Sohnes großen Respekt. Mit zwölf Toren und drei Vorlagen hat der Zehner des FC Mohren Dornbirn 1913 maßgeblichen Anteil am Aufstieg aus der Westliga. Und das, obwohl er die halbe Saison mit einem Bänderriss versäumte.

Dass Lukas heute Fußbälle tritt, statt Handbälle zu werfen, hat er der späten Entdeckung seiner Leidenschaft zu verdanken. Er war schon fast zehn, als er bei der Admira zu Kicken begann. „Als ich ihn anmelden wollte, haben viele gelacht. Da habe ich erst gemerkt, dass wir sehr spät dran sind“, erzählt Ausra. „Ich war zuerst nur der Notnagel, hab von acht Versuchen einmal getroffen. Über ein Tor im Training habe ich mich mehr gefreut, als andere im Match.“ Entscheidend war ein Gespräch mit Red Bulls ehemaligem Jugendtrainer Percy van Lierop: „Er hat mir gezeigt, dass Laufen und Kämpfen zu wenig sind, wenn du technisch zu schlecht bist. Das Einzige, das du brauchst, ist ein Ball, hat er gesagt.“ Daraufhin legte Lukas einen Fleiß an den Tag, der seinesgleichen sucht: „Er hat zwei Jahre lang jeden Tag drei Stunden lang mit dem Ball trainiert.“ Lukas ging in die Salzburg Akademie. Die Fußballkarriere war ein Auf und Ab, führte ihn nach Seekirchen, Wiener Neustadt und Parndorf. Ehe er 2017 in Dornbirn landete, wo seine Mutter die Handball-Mannschaft des SVV Dornbirn trainiert.

Als Kind erlebte Lukas die Sternstunden seiner Mutter bei Hypo Niederösterreich. Nur einmal flossen Tränen. Als Ausra im Champions League-Halbfinale mit Hypo ausschied. Eine Mitspielerin vergab den entscheidenden Siebenmeter, den besser Etat-Schützin Fridrikas geschossen hätte. Logisch, dass nun Lukas bei Dornbirn die Elfmeter übernimmt.

Von Christoph König

Dieser Artikel ist im offiziellen Journal der 2. Liga erschienen – erhältlich bei allen Klubs der 2. Liga.

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