Kampf um den Aufstieg

11. März 2019 in 2. Liga Wattens und Ried rittern um den Aufstieg. Beide Teams bauen dabei auf besondere Stützen, die das Zünglein an der Waage sein können.

Klar, im Kampf um den Aufstieg zwischen der WSG Swarovski Wattens und der SV Guntamatic Ried spielt jedes kleine Rädchen eine mitentscheidende Rolle. Und doch gibt es Typen, die im Kampf um den Titel in der HPYBET 2. Liga besonders wichtig sind. Wir haben uns sechs solcher Exemplare herausgepickt und ihre Trainer Thomas Silberberger und Gerald Baumgartner gebeten, uns zu erklären, was sie auszeichnet.

Ferdinand Oswald
Tor, Wattens

Der Bayer ist für Silberberger von unschätzbarem Wert. „Ferdl ist der ruhende Pol in der Mannschaft.“ Der Schlussmann der Tiroler trägt aber auch sportlich einen Löwenanteil
daran, dass Wattens an der Spitze
der Tabelle überwintern durfte. „Ich bin froh, dass ich so einen Kapitän habe.“ In nackten Zahlen drückt sich das so aus: Sieben von 15 Spielen blieb Oswald ohne Gegentor. Nur zehn Gegentreffer kassierte er im Herbst. Letzte Saison waren es 50. Da war der Mann, der bereits seit 2014 bei Wattens zwischen den Pfosten steht, nach drei, vier groben Patzern medial und bei den Fans schon ordentlich in die Kritik geraten. Silberberger hielt dennoch an ihm fest, denn: „Ich war immer felsenfest von ihm überzeugt“.

Vertrauen, dass Oswald mit Zinseszins zurückzahlte. Besonders verweist Silberberger auf die Partie gegen Klagenfurt: „Da hat er uns mit Mega-Reflexen den Punkt gerettet.“ Außerdem kann Oswald seine Topausbildung ausspielen, die er in Deutschland bei Bayern München und später bei Schalke 04 genoss. „Es sind nicht nur seine Reflexe, er ist ein sehr guter Fußballer und beidbeinig. Das hebt ihn von vielen ab.“

Thomas Reifeltshammer
Innenverteidigung, Ried

Reifeltshammer ist ein Rieder Urgestein. Seit seinem zwölften Lebensjahr spielt der mittlerweile 30-Jährige bei den Wikingern. 244 Pflichtspiele absolvierte der Innenverteidiger bereits für die Innviertler. „Er ist Mister Zuverlässig“, sagt sein Trainer Gerald Baumgartner. „Er nimmt bei mir eine wichtige Rolle ein.“ Und das, obwohl Reifeltshammer in der Hinrunde nicht mehr in jedem Spiel zum Zug kam. Auf fünf Einsätze brachte er es im Herbst, seine jüngeren Nebenspieler Kennedy Boateng und Constantin Reiner bekamen mehr Einsatzzeit. Dennoch zählt Baumgartner auf seinen Dauerbrenner. „Er ist immer noch ein guter Spieler“, sagt der Trainer.

Dass Reifeltshammers Erfahrung auch abseits des Sportlichen ein Zünglein an der Waage sein kann, zeigte er im letzten Spiel vor der Winterpause. Nach dem 1:0-Sieg beim FC Juniors OÖ tauschte ein Stürmer der Rieder mit einem Gegenspieler das Trikot. Damit bekleidet wollte er zu den mitgereisten Rieder Fans, was dort wohl weniger gut angekommen wäre. Reifeltshammer bemerkte das, schnappte sich das getauschte Trikot – und verhinderte den Konflikt. „Führungsspieler wie ihn gibt es wenige“, sagt Baumgartner.

Ione Cabrera
Innenverteidigung, Wattens

Der 33-Jährige war in den letzten Jahren ein Dauerpatient. Unzählige Verletzungen sorgten dafür, dass der Spanier mehr Zeit in Therapieräumen als am Spielfeld verbrachte. Wattens ging mit dem Transfer von Cabrera definitiv „ein Mega-Risiko ein. Das hat uns auch der Vereinsarzt bestätigt“ gesteht Silberberger. Für den Mut wurde man aber belohnt. Zwar fehlte er auch heuer für sechs Partien, der durch 32 Bundesliga- und 129 Zweitligapartien gestählte Haudegen konnte aber erstmals seit über fünf Jahren wieder mehr Spiele bestreiten als er aussetzte.

Vor allem injizierte er dem Abwehrverbund gemeinsam mit Andi Dober eines, was diesem letzte Saison noch arg fehlte: „Führungsqualitäten. Ione ist ein absoluter Leader. Er war gerade einmal 15 Minuten hier, da hat er schon von jedem Spieler den Vornamen gewusst“, staunte Silberberger nicht schlecht. „Ich wollte ihn unbedingt. Er kann das Spiel exzellent lesen, teilt ein.“ Ein wichtiger Aspekt sind für Silberberger die spielerischen Qualitäten: „Ich habe immer gesagt, wenn wir um den Aufstieg mitspielen wollen, brauchen wir eine spielerische Achse. Und die haben wir hinten heraus mit Oswald und Cabrera. Spielerisch ist er sicher einer der besten Innenverteidiger in der Liga.“

Julian Wießmeier
Offensives Mittelfeld, Ried

Der Zehner der Rieder ist ein offensiver Spielmacher wie er im Buche steht. Seit er im Sommer 2017 aus Lustenau kam, obliegt dem Franken die Kontrolle im Mittelfeld der Innviertler. „Er hat eine ungemeine Übersicht und die Ruhe vor dem Tor“, sagt sein Trainer. Vier Tore erzielte Wießmeier bereits in der Hinrunde und das, obwohl ihn zu Saisonbeginn ein Rippenbruch noch zum Reservisten gemacht hatte.

Dazu kommt seine Flexibilität. Zwar spielt der Deutsche meistens in der offensiven Mittelfeldzentrale, wenn die Rieder aber ein System ohne diese Position bevorzugen, kann er auch auf den linken Flügel ausweichen. Wenn die Rieder Wattens abfangen wollen, liegt es wohl an Wießmeier, voranzugehen. Er kann noch mehr, als er bis jetzt gezeigt hat. Das weiß auch sein Trainer. „Bei Julian ist noch Luft nach oben“, sagt Baumgartner. „Es liegt an uns, gut zu arbeiten und dieses Potenzial auch abzurufen.“

Benjamin Pranter
Offensives Mittelfeld, Wattens

Eines ist für Thomas Silberberger schon länger klar: „Benni ist der beste Spieler der Liga.“ Der 29-Jährige ist das Um und Auf in der Offensive von Wattens. Im Schnitt schlägt er in jedem zweiten Spiel entscheidend zu, denn in 220 Partien sorgte der waschechte Tiroler für 110 Scorerpunkte. Davon 78 Tore und 32 Assists. Eine fantastische Quote, die er mit neun Toren und vier Vorlagen in den 15 Herbstrunden noch einmal nach oben schraubte. Das entspricht schon jetzt seiner Ausbeute der gesamten letzten Saison.

Dass Pranter mit seinem unglaublichen Talent heute „nur“ bei Wattens kickt, liegt an seinen beiden Kreuzbandrissen, weiß Silberberger: „Wir sind ein bisschen die Nutznießer, dass seine Karriere dadurch in jungen Jahren ein wenig ins Stocken geraten ist. Er schießt fantastische Standards, ist beidbeinig, hat eine irre Spielintelligenz und ist jetzt auch noch fit wie noch nie. Gegen Amstetten hat er in der 90. Minute das Pressing gegen den Tormann eröffnet“, sieht der WSG-

Coach seine größte Waffe auch körperlich gestählt. Nicht zuletzt hat der Klub Pranters Vertrag bereits bis 2021 verlängert.

Dario Pecirep
Stürmer, Ried

Dass er aufsteigen und sich im zweiten Halbjahr steigern kann, zeigte Darijo Precirep zuletzt beim FC Blau Weiß Linz. Die Linzer holten ihn in der Winterpause 2015/16 aus Wallern. Danach erzielte der Stürmer sechs Tore und bereitete zwei weitere vor, die Linzer wurden Meister. Mittlerweile ist er über den Umweg Wiener Sportclub in Ried gelandet, logisch war der Weg allerdings nicht. Pecirep war im Sommer eine heiße Aktie. Nach seinem Abschied vom Wiener Sportclub wollte ihn auch die WSG Wattens. Schlussendlich entschied sich der Kroate aber für das Innviertel – und zeigte dort, warum er so umworben wurde. Sieben Tore in der Liga machen ihn zum torgefährlichsten Spieler der Wikinger. „Er ist enorm wichtig und präsentiert sich wirklich sehr gut“, sagt Baumgartner. „Das hat man gleich gesehen.“

Zuletzt war das Visier bei Pecirep, wie bei der gesamten Rieder Offensive, aber etwas verstellt. In den letzten fünf Partien vor der Winterpause gelangen den Innviertlern nur drei Tore, dem Kroaten gar keines mehr. Wenn er sich an seine Zeit in Linz erinnert, wird sich Wattens vielleicht bald noch mehr ärgern, Pecirep nicht verpflichtet zu haben.

Von Christoph König & Moritz Ablinger

Dieser Artikel ist im offiziellen Journal der 2. Liga erschienen – erhältlich bei allen Klubs der 2. Liga.